Die Geister, die ich rief...

(JS) ›Da legst’ di nieder!‹ denke ich, wenn Leute voller Überzeugung behaupten, die Figuren in »Mokka mit Sahne« haben reale Vorbilder, die Episoden seien
wirklich geschehen. Aber jedes Mal blicke ich in die Gesichter und entdecke nicht die geringste Spur von Ironie. Und denke: krass.

NatĂĽrlich sind  sämtliche Geschichten und handelnde Figuren in »Mokka mit Sahne« erstunken und erlogen! Okay, Karl Heine gab es wirklich und auch den von mir bewunderten Theodor Fontane. Auch Boris Vian war ein wahrhaft faszinierendes französisches Multitalent, das viel zu frĂĽh starb. Doch ich kenne weder Jasmin, die mit Christian liiert war oder ist noch eine Jana, die sich ChloĂ© nennt etc.

Logo steckt unbewusst in allen meinen Figuren immer auch ein Teil von mir oder von Menschen, die ich kenne. Wer das Buch liest, lernt so auch irgendwie ein wenig mich kennen.

Vermutlich sollte ich mich freuen über das Kompliment, dass die Leser meine Figuren für real halten. Doch leugnet nicht, wer glaubt, ich schreibe nur nieder, was ich oder andere erlebt haben, mein potenzielles schriftstellerisches Talent, meine Erfindungsgabe, meinen Phantasiereichtum? Und genau das ist doch der Grund, warum ich Geschichten erzähle: sie schwirren plötzlich wie aus dem Nichts in meinem Kopf herum und wollen raus. Und dann beginnt die Fiktion: erzählen, was geschehen sein könnte, aber nicht geschehen ist. Der höchstmögliche Grad an Authentizität. Tja, man könnte zusammenfassend meinen: die Geister, die ich rief, die werde ich nun nicht mehr los.

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