Ja, ich hab’s getan!

(JS) Wie zahllose Leipziger vor mir reihe nun auch in mich ein in die Schar der Komparsen für Fernsehfilme und –serien in unserer Stadt. In meinem Fall war es für die Serie
»In aller Freundschaft« und es war zauberhaft!

Um 8.20 Uhr sollte ich da sein und war fast pünktlich. Dann hieß es für uns 14 Komparsen warten. Und warten. Und warten. Aber natürlich wusste ich: die Hauptaufgabe des Komparsen ist – genau – Warten. Der Raum war in schummeriges, Schlaf förderndes Licht getaucht. Daher warteten wir nicht nur, sondern gähnten bald reihum, es war wie »stille Post«, nur eben »Hand vor den Mund halten«. Manche erzählten Anekdoten aus ihrer mehrjährigen Komparsenkarriere (man glaubt nicht, wie viele Serien und Filme bereits in Leipzig abgedreht worden sind). Endlich trat der Mann vom »Kostüm« zu uns und besah sich, was für Klamotten wir mitgebracht hatten. Auch wenn es vor Ort einen Fundus gab, aber… Egal. Nun ja, Debütantin Jacqueline hatte natürlich dienstbeflissen einen beachtlichen Teil ihres Kleiderschrankes dabei: Blusen und Röcke und Hosen und den Bademantel in der gewünschten Farbe,... Ich war auf alles vorbereitet, nur nicht auf das, was dann kam. Der Morgen war ein sehr kalter gewesen und so entschied ich, auf der Fahrt den Rollkragenpullover zu tragen, der mir als nächstes in die Hände fiel. War ja wie gesagt nur für die Fahrt. Dachte ich. »Kostüm« fand meinen Pullover aber irgendwie gut, und so drehte ich meine ersten beiden Auftritte in einem schönen schweinchenrosafarbenen Pullover ab. Herrlich!

Mal von diesem Kleidungsstück abgesehen wurde es ein langer, aufregender Tag. In vier Szenen wurden Komparsen benötigt, ich war in drei dabei, in der vierten vertrat mich tapfer mein Bademantel.

Als ich am Abend heimkehrte, war ich volltrunken von den Eindrücken und froh und stolz und erschöpft-glücklich, vergleichbar vielleicht mit dem Gefühl nach einem Halbmarathon (ich bin zwar noch keinen gelaufen, aber so stelle ich es mir vor). Doch am nächsten Morgen erschrak ich über meine Verwegenheit, alles war mir peinlich und ich wollte am liebsten die Cutter bestechen, damit sie mich rausschneiden. Oder haben Sie schon mal die Lippen bewegt ohne zu reden? Das muss ja blöd aussehen! Aber mittlerweile amüsiere ich mich wieder. Schätzungsweise werden mich nur die Leute bemerken, die mich kennen. Und vermutlich werden sie enttäuscht sein, weil sie mich nur einmal schnell durchs Bild huschen sehen, wenn überhaupt.

Gestaunt habe ich übrigens auch. Zum Beispiel darüber, welcher Aufwand an so einem Set betrieben wird. Die gleiche Szene aus den verschiedensten Perspektiven. Immer wieder wird umgestellt, umarrangiert. Die Leute am Set, die übrigens alle super nett waren, hatten im Gegensatz zu mir alles im Blick. Ein bisschen kam ich mir vor, als würden sie Schwedisch sprechen und ich könnte nur die paar Silben, die mir Deutsch vorkamen (und die natürlich keinen Sinn ergaben), verstehen. Es war krass. Improvisieren war noch so eine Stärke des Teams. Was nicht passend war, wurde passend gemacht. Das bezog sich auch aufs Drehbuch. »Chapeau!« rufe ich Regie und Schauspielern dafür zu. Und auch wenn es hinter den Kameras oft wie Durcheinanders Schnitzelsalat aussah, vor der Kamera war alles schön.

So, jetzt will vielleicht der eine oder andere noch wissen, wann ich denn mal »In aller Freundschaft« bin. Tja, einfach auf den schweinchenrosafarbenen Pullover achten. Oder auf die Dreiecksgeschichte auf »Schloss Machern« – genau – warten.

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