Wie ich wochenlang Dieter ertrug - fĂĽr Thomas

(JS) Noch vor zwanzig Jahren hätte bei der Überschrift an Modern Talking denken müssen, wer nicht wusste, dass ich das Duo überhaupt nicht mochte. Doch
seit der vorletzten Nacht ist die Sache mit Dieter und Thomas mein ResĂĽmee  der vergangenen Wochen, und bezieht sich auf - »Deutschland sucht den Superstar«.

Alles geschah an einem Abend irgendwann im Januar. Lustlos zappte ich mal wieder durch die Programme – da sah ich IHN. Es wirkte, als habe er sein Haar vor zwei Wochen das letzte Mal gewaschen und danach erst mit dem Staubsauger getrocknet, um es schließlich noch etwas unbeholfen mit dem Bügeleisen zu traktieren. Aber als er seinen Mund öffnete und »Fairytale Gone Bad« sang, wurde er plötzlich wunderschön. Diese Stimme!!! Beschämt rutschte ich einige Zentimeter von meinem geliebten Mann weg, mein Mund stand offen, mir lief irgendwas den Rücken runter. Hilfe, was war das? Was taten dieser Typ und seine Stimme mit mir? Sein Name hat sich seitdem in mein Herz gebrannt und nun ist er Deutschlands neuer Superstar – Thomas Godoj.

Nach seinem fulminantem DSDS-Entree habe ich die restlichen Castings und Recalls übrigens geflissentlich ignoriert – wegen meinem Problem Dieter B. und natürlich dieser absoluten Gewissheit, Thomas in den Mottoshows wieder zu sehen.

Dann die erste Krönung zum zwangsläufigen Superstar. Ich mag »Chasing Cars« von Snow Patrol wirklich sehr. Seit der Top 15-Show liebe ich diesen Song –  wenn er von Thomas gesungen und performt wird. Die Inkarnation von coolness! Als Thomas die Songs von Ich und Ich und Take That sang, ging es mir ebenso, und ĂĽberhaupt bei allen »seinen« Songs.

Meine sozialen Kontakte haben in dieser Zeit arg gelitten, ohne Frage. Denn ich hatte nun samstäglich am Abend die Verabredung mit einem blöden viereckigen Kasten und der einzige »Gesprächspartner« war der Voting-AB mit Thomas’ Dankeschön. Die Sonntage bestanden dann jeweils darin, auf Clipfish noch einmal das Bekannte immer und immer wieder zu genießen und in diversen Internetforen zu stöbern.

Dieter B. hatte Thomas schnell als Favoriten ausgerufen – klar, selbst Bohlen hat ja keine Bohnen in den Ohren, oder? Ansonsten war alles andere in den Mottoshows irgendwie Staffage. Hätte man sich schenken können, dafür lieber jeden Samstag zwei Stunden Konzert mit Thomas übertragen. Aber nein, man nervte mich. Mit diesem Dieter B. und seinen in der Mehrzahl überflüssigen Kommentaren. Mit der immernetten Anja und dem einzig coolen (weil mir gleich gesinnten) Bär. Und mit einem Moderator, der vermutlich die miesesten Schreiber Deutschlands hatte. Alles blieb im Dunkel, einzig die Auftritte von Thomas strahlten.

Es war von der Konstellation her nur zu 50 Prozent mein Traumfinale – Linda hätte ich den zweiten Platz am meisten gegönnt. Doch einzig wichtig war ja, dass Thomas gewinnen würde. Auch wenn ich mittlerweile erfahren habe, dass der Recklinghauser in jeder Show rund die Hälfte aller Votes für sich verbuchen konnte – Jeder Anruf für ihn hat sich gelohnt. Um ihm danke zu sagen für die geilste Stimme ever, die m.E. eine DSDS-Staffel erstmals wirklich sehenswert machte. Am Ende jubelte ich, als würde Deutschland nach zwölf Jahren Pause endlich wieder Fußball-Europameister (Männer) werden.

Am Freitag kaufe ich mir natürlich Thomas’ erste Single. Obwohl ich den Song nicht besonders mag; aber vermutlich könnte ich mir sogar »Herzilein« (man erinnere sich: im Original von den Wildecker Herzbuben) reinziehen, wenn Thomas Godoj es singen würde.


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