Wenn einen die Vergangenheit einholt, …

(JS) … dann kann das sehr unangenehm sein. Denn vielleicht haben sich ja wider Erwarten die Leichen im Keller erhoben oder ein unangenehm dumpfes Gefühl überzieht einen
bei dem Gedanken an Vergangenes, weil man doch abgeschlossen hat mit dem, was war, und nie wieder dran erinnert werden wollte.

Aber manchmal ist es auch naturgemäß und schön, dass die Vergangenheit zum Teil des Heute wird. Und man ist froh, denn das Damals war schön und glücklich und harmonisch. So wie beispielsweise bezüglich der Kindheit, auf die man, je länger sie zurückliegt, desto nachsichtig-verklärter zurücksieht. Ja, damals, als das Leben noch so einfach und aufregend schien, man kaum erwarten konnte, endlich größer und älter zu werden. Als das Wochenende noch endlos erschien und man überzeugt war, völlig furchtlos zu sein. In dieser Zeit spielten natürlich auch Freundinnen eine herausragende Rolle. Bei mir vor allem eine, die im gleichen Haus wohnte und ein Jahr älter war als ich. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, waren Prinzessinnen, sind Gleit- und Rollschuh gelaufen und vieles mehr, doch dann ging ich weg aus Leipzig und man kennt ja den Spruch mit den Augen und dem Sinn.

Viele Jahre zogen ins Land, das bald verschwand und einer neuen Gesellschaft Platz machte. Geblieben sind die Erinnerung und dieses betäubende schlechte Gewissen, das einen immer wieder bei der Frage befiel: Warum nur haben wir nicht geschafft, den Kontakt aufrechtzuerhalten?!

Dann schrieb ich »Mokka mit Sahne« und stellte meine Website ein. Und nun traute ich kürzlich meinen Augen nicht, als sich die Freundin von damals bei mir meldete. Wir haben uns getroffen und es schien mir, als lägen nicht die mehr als zwei Jahrzehnte zwischen uns. Es war einfach herrlich und ich bin sehr dankbar dafür. Nach fünf Stunden sind wir auseinander gegangen mit der Gewissheit, dass es nun nicht wieder so lange dauert, bis wir uns wieder sehen.

Auch andere Menschen, die mir in der Vergangenheit viel bedeutet haben, melden sich. Niemals hätte ich gedacht, dass es derart wohltuend ist. Jedes Mal wie eine Art Klassentreffen, nur viel entspannter! Vor allem ist es interessant und aufregend, die Lebensgeschichten derer zu hören, denen man vielleicht früher mal in einem unbeobachteten Moment eine Erdbeere vom Teller stibitzte oder die einen trösteten, wenn man sich die Knie blutig schrammte. Mit denen man Kinderlieder gesungen, über den Mittagsschlaf gejammert und andere Kinder gefoppt hatte. Die ersten Freundschaften sind die außergewöhnlichen. Die im Herzen bleiben. Diese Menschen wieder zu finden und in sein aktuelles Leben zu lassen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Ich kann es mit freudigem Herzen empfehlen!


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