Das Übel mit den Vorsätzen

(JS) Na, schon Vorsätze für 2008? Haufenweise, wa? Tja, die einen wollen in Zukunft peinlich genau auf das achten, was
sie essen – gesund und kalorienarm soll es sein. Andere kramen ihren Trainingsanzug nach fünf Jahren strikter Missachtung wieder hervor. Und die Schuhe,  die verantwortlich sein sollen für die Metamorphose von der Couch-Potatoe zum fitten und schlanken Adonis. Andere nehmen sich ganz fest vor, ab 1. Januar mit den Rauchen aufzuhören oder was auch immer. Aber klar, das Ende vom Lied ist bekannt.

Aber singen wir mal: Im  Januar (1. Strophe) bersten Fitness-Center und Bio-Läden noch vor Andrang, im Februar, spätestens März (2. Strophe) findet man schon Ausreden wie »Echt keine Zeit« oder »Ach, morgen wieder«. Das Morgen wird auf den Nimmerleinstag verschoben und bums (3. Strophe) ist wieder Dezember (diesmal 2008) und nichts hat sich geändert. Die Waage schlägt wie gehabt fies weit nach rechts aus, die Kippen schmecken trotz schlechtem Gewissen immer noch und irgendwie hat das nicht so recht geklappt mit dem mehr Obst und so. Verfluchter Teufelskreis des Lebens. Oder einfach nur blöde Bequemlichkeit. Ganz schlaue (oder bereits resignierte) haben keine Vorsätze, sagen »Ich nehme mir nichts vor, es klappt eh nicht.« oder »Es soll alles so bleiben, wie es ist.« Aber das ist doch langweilig!

Also, vielleicht zur Abwechslung einfach mal was ganz anderes vornehmen. Nicht die Dinge, an denen man bereits in der Vergangenheit mehrfach gnadenlos scheiterte. Wie wäre es beispielsweise, sich vorzunehmen, jeden Tag etwas Gutes zu tun? Nicht gleich die ganze Welt retten, sondern ganz kleine Kleinigkeiten. Jemandem die Tür aufhalten. Einen Fremden nett anlächeln, der dann zurücklächelt. Den Rechnungsbetrag pünktlich überweisen. Die Oma anrufen, die sich immer freut, wenn sie vom Enkel hört. Einen Freund überraschen mit einem Gefallen, den man schon so lange versprochen, aber noch nicht eingelöst hat. Selbst wenn man in der Endabrechnung möglicherweise nicht immer das Ziel erreichen konnte, ist doch jede einzelne gute Tat ein Gewinn. Und ein toller Effekt, denn man fühlt sich besser. Im nächsten Jahr kann man sich dann vornehmen, vielleicht häufiger nett zu sein. Die Mitmenschen werden es einem danken und man wird vielleicht irgendwann feststellen, dass man ein besserer Mensch geworden ist. Und wollen wir das nicht alle?


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