KOLUMNE: Geliebtes Leipzig

(JS) Ich habe unzĂ€hlige Male versucht, Dir zu entkommen, habe VorwĂ€nde gesucht, Dich zu verlassen, bin vor Dir weggelaufen, habe geglaubt, mein GlĂŒck an einem anderen Ort zu finden. Doch das LĂ€cheln kehrte erst in mein Gesicht zurĂŒck, wenn ich wieder bei dir war.

Du bist so schön wie du hÀsslich bist. Du bist so anmutig wie du tollpatschig bist. Du bist so sauber wie Du dreckig bist. Und Du bist so ehrlich wie Du bezaubernd bist.

Du bist herrlich kreativ, voller Leben und Esprit, doch Du schlĂ€fst zu wenig und atmest schlechte Luft. Du bist ungerecht und fĂŒhlst dich selbst missbraucht. Du agierst wie eine Diva und klagst darĂŒber, geknechtet zu sein. Du bist furchtbar laut und grell, du verschlingst jeden mit Haut und Haar und lĂ€sst ihn ungern wieder frei. Wie mich, von Geburt an.

Ich bin Deine Tochter und wollte erwachsen werden. Deshalb bin ich gegangen, immer wieder gegangen, habe in der Fremde gelebt, geliebt und gelitten, bin erwachsen geworden.

Doch ganz tief im Inneren wusste ich die ganze Zeit, was ich nicht wahrhaben wollte: Du bist meine liebste Heimstatt, mein lebenswichtiger Anker, mein geliebtes Paradies. Bei Dir möchte ich sein: durch Deine grĂŒne Lunge wandeln, Deine Bauwerke bestaunen, Deine Kunst genießen und die Kultur erleben, durch Deine Straßen schlendern, Dein LĂ€cheln erwidern, Deine Stimmen hören. Ich liebe all Deine Söhne und Töchter aus tiefstem Herzen. Auch wenn sie mich immer wieder verstören und wĂŒtend machen, rĂŒhren sie mich doch im nĂ€chsten Moment mit ihrer Ehrlichkeit zutiefst und lassen mich verzeihend schmunzeln – uns eint die endlose Liebe zu Dir.

Die von Dir Adoptierten und die sich Dir AufdrĂ€ngenden versuchen seit Jahren, Dich zu verĂ€ndern, es gelingt ihnen auch, doch im Herzen bleibst Du die liebeswerte Mutter, die Du immer warst. Du bist die inspirierende Quelle, die beste Nahrung fĂŒr ein vielfĂ€ltiges, ein aufregendes Leben.

Die Welt da draußen ist groß, sie ist verlockend und wundervoll. Doch die Heimat gibt es nur einmal. Endlich habe ich das bis in die letzte Faser meines Körpers und meiner Seele begriffen und mich ergeben. Auch wenn ich Dich vielleicht irgendwann einmal wieder verlasse, werde ich zurĂŒckkehren mit der Gewissheit: Mein geliebtes Leipzig - Du bist mein Hafen, mein Schicksal, mein Leben.


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