Mit Kiwi-Jana Shrimps essen

JANUAR 1990. (JS) Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen in Astrids KĂĽche. Die Gastgeberin sieht mich nachdenklich an.
jacks_cut»Eine Wende-Geschichte willst du von mir? Jetzt gleich?«
Ich nicke zweimal.
»Okay«, meint sie und überlegt. Dann: »Gut, ich erzähle dir von meinem ersten Pizzeria-Besuch im Westen.« Und dann berichtete sie von diesem Tag im Januar 1990, als sie mit Freunden eine Pizzeria in Berg besuchte. Ihre Freundin war dabei, die von allen »Kiwi-Jana« genannte wurde. Denn als sie zum ersten Mal und noch vor dem Mauerfall auf dem Schulhof in eine Kiwi mit Schale gebissen hatte (Woher sollte sie es wissen?), verzog sie das Gesicht, behauptete jedoch steif und fest, es schmecke gut.
Neben Kiwi-Jana saß ihr Cousin Marco. Marco hatte sich eine Pizza mit Shrimps bestellt – man wollte ja kein Bauer sein (Was der Bauer nicht kennt,…). Als seine Pizza dann vor ihm stand, probierte er ein Stück und beließ es bei zwei Bissen. Er fand, es schmeckte »ekelhaft«.
»Ich hatte mich für eine Salami-Pizza entschieden«, meinte Astrid jetzt und fing an zu grinsen, »sie schmeckte lecker, aber sie war zu groß. Ich ließ die Hälfte liegen.«
Als der Kellner kam und die Teller abräumen wollte, fragte er Astrid, ob er ihr die restliche Pizza einpacken solle.
»Ich war wütend und schämte mich. Sah er mir an, dass ich aus dem Osten kam? Glaubte er, wir bekämen nicht genug zu essen?«
Astrid war nahe dran, ihn zu ohrfeigen. Aber dann lehnte sie nur höflich ab.
Als sie beim nächsten Pizzeria-Besuch mit ihrem neuen westdeutschen Freund von einer Kellnerin gefragt wurde, ob sie den Rest mitnehmen wolle, war es der Freund, der sie aufklärte. Diesmal sagte sie: »Ja, vielen Dank.«

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