Anna Gavalda: Zusammen ist man weniger allein


GavaldaDiese Lektüre ist wie eine Affäre – sie platzt einem abrupt ins Leben und ist spannend bis zur letzten Seite, aufmerksam, zärtlich, leidenschaftlich, voller Liebe. Nach 551 Seiten ist die kurze intensive Liebelei vorbei und es bleibt die Erinnerung an ein einmaliges Erlebnis.

Gavaldas Geschichte handelt von vier Menschen, die auf der Suche nach ein wenig Liebe und sozialer Orientierung zueinander finden. Sie leben zwar gemeinsam in einer WG, doch noch interessanter scheint, wie sie zueinander finden.

Das Buch ist aber auch die zärtliche Liebesgeschichte zwischen Camille und Franck. Von Antipathie über Gleichgültigkeit bis zu wahrer Liebe wird der Beziehungsreigen gespannt. Wie Anna Gavalda das erzählt, ist wundervoll. Mehr davon!

»Zusammen ist man weniger allein« ist eines der besten Bücher der jüngsten Zeit. Anna Gavalda erzählt im besten Sinne außergewöhnlich. Ihre Gabe, Figuren lebendig und liebenswert zu beschreiben, ohne je einmal in eine Klischeevorstellung zu verfallen, ist unübertroffen. Liebe zeigt sich dabei nicht präzise verbal, nein, sie zeigt sich in kleinen Gesten (»Und er, der große Dummkopf, der Angsthase, der Angeber, der kleine Provinzmatador mit der großen Klappe, der dicken Maschine und den tausend Weibern auf seiner Trophäenliste, ja, genau der konnte nicht umhin zu erröten.«, S.227) und Details.

Atmosphärisch (Pariser Metro: »Die Mamas, die mit offenem Mund vor dem beschlagenen Fenster schliefen, bevor sie ihre Kleinen in den eintönigen Vororten der 7. Zone der Pariser Verkehrsbetriebe abholten, die Frauen, mit billigem Modeschmuck behangen, die gleichgültig in ihrer Fernsehzeitschrift blätterten und ihre zu spitzen Zeigefinger mit Spucke befeuchteten, die Männer in weichen Mokassins und bunt gemusterten Socken, die laut seufzend zweifelhafte Geschäftsberichte studierten, und die Nachwuchskräfte der Führungsetage mit fettiger Haut, die sich die Zeit damit vertrieben, mit ihren auf Ratenzahlung gekauften Handys Unsummen auf den Kopf zu hauen.«, S. 147) zieht sie den Leser in die Welt des heutigen Paris. Das Ende erfüllt die Erwartungen, ein anderer (negativer) Ausgang wäre nicht möglich gewesen. Gavaldas Roman ist bestmöglich unterhaltsam, berührend, zärtlich, subtil – einfach großartig.

Jacqueline Sterzik

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