Anne LeClaire: Tallie und die Macht der W├╝nsche


Tallie_kleinVon einer Freundin geschenkt bekommen fristete ┬╗Tallie und die Macht der W├╝nsche┬ź einige Monate ein armseliges Dasein in meinem B├╝cherregal. Dann griff ich zu dem Buch ÔÇô und legte es nur noch zum Schlafen und Essen beiseite.

Vielleicht war der Grund f├╝r meine vorherige lange Igoranz darin zu suchen, dass alles, was auf den Buchdeckeln als Hilfestellung zum Inhalt angegeben war, nicht neugierig machte. Eher aus Gef├Ąlligkeit begann ich die Geschichte um Tallie zu lesen und das Buch entwickelte sich schnell als das epische und soziale Erlebnis, das ich mir kaum zu w├╝nschen gewagt hatte.

Beim Hineintauchen in das fiktive Leben der Tallie geht es authentisch um den fr├╝hen Verlust der geliebten Mutter, die zuvor Mittelpunkt des Lebens gewesen war. Es geht um den Schmerz, dieses Stechen in der Brust, wenn man an den verlorenen Fels in der Brandung denkt. Und eben an die Macht der W├╝nsche, an den Glauben, durch die erf├╝llten W├╝nsche die N├Ąhe der Mutter zu sp├╝ren, die die Tr├Ąume wahrzumachen scheint.

Aber der Roman ist keine Gef├╝hlsduselei, kein Kitsch. Die Hauptheldin ist nicht heldenhaft, sondern normal: nicht ungew├Âhnlich h├╝bsch, nicht vom Gl├╝ck verfolgt, nicht ├╝berirdisch beliebt und charismatisch. Aber authentisch.

Erstaunlich ist LeClaires wundervolle Gabe des Erz├Ąhlens. Es gibt den roten Faden, der Tallies Leben ist, doch drum herum gesellen sich unz├Ąhlige Geschichten und Geschichtchen, die man gern liest, die einen in ihrem Zusammenhang am Ende ├╝berraschen trotz oder wegen ihrer inneren Logik.

LeClaires Sprachstil ist vermutlich nicht ausgepr├Ągt literarisch, wobei man wei├č, dass an einem ins Deutsche ├╝bertragene Werk der ├ťbersetzer nicht ohne Einfluss bleiben kann. LeClaire schreibt zudm keineswegs auff├Ąllig, daf├╝r umso angenehmer. Unz├Ąhlige Details, von denen man annehmen m├Âchte, dass sie kaum erfunden sein k├Ânnen, f├╝llen die Seiten.

Der Leser kann so aus seinem realen Leben fliehen in das fiktive von Tallie. Er kann sie kennen lernen, ihre Mutter, deren Freundin Martha Lee, Tallies Vater, der erst am Ende aus seiner Resignation ├╝ber den Tod der eigenen Frau findet. Spy und seine Familie kann er treffen und den Inhalt einer Familientrag├Âdie erfahren. Am Ende muss der Leser Tallie wieder verlassen und wundert sich, wie traurig ihn das macht.

Jacqueline Sterzik

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