Christa Wolf: Nachdenken ├╝ber Christa T.


Christa_T_kleinZu viele Jahre musste ich alt  werden, bis ich diese wundervolle Erz├Ąhlerin kennen lernen durfte. Seit Jahren die Lekt├╝re vor Ehrfurcht aufgeschoben, gl├╝cklicherweise nicht aufgehoben.

Christa Wolfs Sprache fasziniert von Beginn an: ihr elliptisches Erz├Ąhlen, essayistisch, detailreich. Ein Stil, der nichts ├ťberfl├╝ssiges formt, doch auch keineswegs statisch-sachlich wirkt.

Die Geschichte der Christa T. So pers├Ânlich. Der Leser lernt die Protagonistin kennen,  glaubt, auch die Autorin in ihr zumindest in Ans├Ątzen zu finden. Meint eine Freundschaft zu erfahren von zwei Frauen, die erst aus der Retrospektive heraus wirklich zueinander fanden.

Wer die Inhaltsangabe liest, glaubt nicht, ├╝ber 200 Seiten unterhalten zu werden. Doch das wird er. Christa T. erscheint vor ihm. Mit all ihren wundervollen Seiten, auch mit ihren Schw├Ąchen. Immer dem unabwendbaren Ziel Sterben entgegen. Und der Leser ist am Ende traurig ├╝ber den Verlust dieser au├čergew├Âhnlichen Frau, die ihm trotz aller Wehr ans Herz gewachsen ist. Immer auf der (vergeblichen) Suche nach dem Selbst im kleinhaltenden System, nach Selbstverwirklichung, Gl├╝ck und Zufriedenheit. Angetrieben vom Anspruch, etwas Besonderes zu sein und zu erschaffen. Um wiederholt festzustellen, dass das Ziel sich stets umso weiter entfernt, je mehr man sich ihm n├Ąhert. Am Ende wartet der Tod. Zu fr├╝h. Zu ungerecht. Ein Leben ausl├Âschend, das noch nicht zu Ende gelebt, noch nicht verbracht war. Potenzial verpasster Chancen.

Christa Wolfs Prosawerk aus dem Jahre 1968 gr├╝ndete ihren Weltruhm. V├Âllig zu recht. Es hat mich inspiriert wie kaum ein anderes Werk je zuvor.

Jacqueline Sterzik

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