Christoph Hein: Frau Paula Trousseau


Frau_Paula_TrousseauDie LektĂŒre dieses Buches suggeriert wie die Handlung, die beschrieben wird, der Leser befĂ€nde sich in einem Fluss. Immer wieder bricht sich das Wasser am Gestein, doch stets strömt es voran.

Mit »Frau Paula Trousseau« lĂ€uft Christoph Hein zur Hochform auf und erinnert daran, wofĂŒr man ihn bei der LektĂŒre von »Drachenblut/Der fremde Freund« bewunderte. Denn wieder ist eine spröde, unnahbare und dadurch nicht besonders sympathische Frau die Protagonistin. Dass sie dabei als Ich-ErzĂ€hlerin in Erscheinung tritt, birgt einen faszinierenden Kontrast.

Christoph Heins Buch ist zugleich Charakterstudie und Entwicklungsroman. Es ist zudem und ganz besonders ein Buch ĂŒber die Dissonanz zwischen (Selbst-)Anspruch und der unabwendbaren Möglichkeit, durch diesen zu scheitern. Dabei entbehrt die Geschichte  weitgehend der Anklage auf politische ZustĂ€nde in der DDR. Denn das scheint nicht wichtig. Auch wenn der Roman grĂ¶ĂŸtenteils hier spielt, geht es doch um Paula: warum sie ist, wie und wer sie ist.

Einige wenige HandlungsstrĂ€nge bzw. Figurenkonstellationen sind vielleicht verzichtbar. Die lesbische Liebe (wundervoll ausgefĂŒhrt von Hein) hĂ€tte gut anhand einer einzigen Figur ihre ErfĂŒllung finden können.

Obwohl oder gerade weil die Protagonistin herb ist, unzugÀnglich, zerrissen, verletzend, bleibt sie zu jedem Zeitpunkt authentisch. Hein zeigt ihre inneren Konflikte, ihre Ecken und Kanten, von denen man durch das Verharren auf der Ebene der Explikation annehmen kann, dass ihre Systematik dem Leser eher bewusst wird als Paula selbst. Gelegentlich kann zudem das wiederholte Zeugnis von Paulas Unnahbarkeit bis hin zur Homophobie auf den Leser lÀhmend wirken.

Es gilt nicht die Erwartung an den Leser, dass er sich mit der Protagonistin identifiziert, es ist ganz sicher nicht seine Aufgabe, Paula zu mögen, dennoch verfolgt er gespannt ihren Lebensweg, versucht zu verstehen und bleibt dann sogar ein klein wenig mitfĂŒhlend zurĂŒck.

Eine hervorragende Idee und Orientierungshilfe ist die ParallelitĂ€t von Zeit-Wechsel mit dem der ErzĂ€hlperspektive. So fĂ€llt es dem Leser leicht, sich wiederholt vom Erwachsenenalter auf RĂŒckwendungen in die Kindheit einzulassen.

»Frau Paula Trousseau« ist ein typisches Christoph-Hein-Werk. Und so wird es die Fangemeinde zweifelsohne begeistern.

Jacqueline Sterzik

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