Consuelo de Saint-Exupéry: Die Rose des kleinen Prinzen


RoseVon einer Freundin als Lektüre ans Herz gelegt, wurde »Die Rose des kleinen Prinzen« zu einer überraschenden und sehr sensitiven Entdeckungsreise.

Mein sehr unbelastetes Bild vom Autor des »Kleinen Prinzen« wurde in seinen Grundfesten erschüttert. Die Frau seines Lebens – Consuelo, die Ich-Erzählerin – in ihrer Wunderbarkeit zu lieben, ist verständlich. Doch sie stets und ständig zu betrügen und dabei nicht ihren unfassbaren Schmerz zu spüren, wirkt egozentrisch bis egomanisch. Man möchte Antoine de Saint-Exupéry mit dieser unglaublich wunderbaren Schreibgabe gern glauben, dass er Consuelo geliebt hat, doch als Frau leidet man mit ihr aufs Unerträglichste. Man leidet und fragt sich immer wieder, wie viel Schmerz und Eifersucht eine Liebe ertragen kann, bis sie erlischt. Aber vielleicht sollte man von Consuelos Liebe zu Antoine deshalb als der unsterblichen sprechen.

Natürlich darf der Leser im 21. Jahrhundert nicht vergessen, wie das Leben der Frauen vor einem Dreivierteljahrhundert aussah. Ihre Abhängigkeit vom Mann, der Reputation des Mannes, die ihr gleichfalls zugebilligt wurde, ihre Unselbständigkeit und Geduld, die sie wissend um ihre Lage an den Tag legen musste.

Und wenn man all das im Hinterkopf trägt und sich nicht länger fragt, warum diese Frau sich nicht befreite, kann man beginnen, die Erinnerungen zu genießen. Eine wunderbare Sprache spricht aus Consuelo, Worte und Konnotationen, die ins Deutsche übertragen wurden und dabei gelegentlich untypisch für unseren Kulturkreis wirken, so als könnten wir die Zwischentöne nicht erfassen mit unserer weniger blumigen Sprache und Assoziationsfähigkeit.

Obgleich es Consuelo möglicherweise nicht gelingt, ihre unsterbliche Liebe zu Antoine einem Mitteleuropäer vorstellbar zu machen, macht ihre Ansicht von Liebe dem Leser möglicherweise aber auch und einzig deutlich, dass das Wesen von Liebe sich evolutionär verändert. In unserer Gegenwart ist der Mensch – auch die Frau – wohl selbst zu sehr in sich verliebt, um zu akzeptieren, für einen Mann oder eine Liebe ihren Stolz über Bord zu werfen, sondern sich immer wieder auf schändlichste Art verletzen zu lassen. Vielleicht würde Consuelo nun sagen, wer das von sich behaupte, könne nicht wirklich einen anderen Menschen lieben. Aber wenn Liebe etwas anderes als eine gleichberechtigte Partnerschaft ist, dann sollte sie vielleicht besser nicht mehr sein als eine Flamme, die schnell erlischt. Wer liebt, sollte sich trotz der Gefühle und der Bereitschaft, für den anderen alles zu tun, nicht selbst aufgeben. Liebe sollte auf Dauer – und Unsterblichkeit ist die längste Dauer überhaupt – nicht mehr wehtun als dass sie glücklich macht.  
Jacqueline Sterzik

{backbutton}

Copyright © 2013 - Jacqueline Sterzik. Alle Rechte vorbehalten.