Elizabeth von Arnim: Die Reisegesellschaft


ReisegesellschaftDer Name »von Arnim« postuliert großes Literaturschaffen. Ob und inwieweit Elizabeth von Arnim (1866 – 1941) in diesen Reigen verwandtschaftlich involviert war, ist nicht erfahrbar.

Sie war eine angeheiratete von Arnim, gebĂŒrtig in Australien wuchs sie in England auf, lebte nach ihrer Hochzeit mit dem Grafen von Arnim-Schlagenthin in Deutschland und Frankreich und ging schließlich in die USA. Die Kosmopolitin schrieb einige sehr gute Romane. »Die Reisegesellschaft« (1909) ist einer derer und er strotzt nur so vor »böswilligen« sprachlichen Stilmitteln wie Satire, Ironie und Sarkasmus.

»Die Reisegesellschaft« ist eine Art Reisetagebuch des Ich-ErzĂ€hlers Baron Otto von Ottringel, der mit seiner jungen Frau und einigen Bekannten in Wohnmobilen recht unbequem durch England reist. Es geht nicht um die Reise an sich, nicht um die Schilderung schöner vorbeiziehender Landschaften wie im wunderbaren »Chalet in den Bergen«. Nein, mit »Die Reisegesellschaft« haut Elizabeth von Arnim auf den Tisch. Die Gedanken, die sie ihrer fiktiven Figur in den Kopf legt, lassen einem den Mund offen stehen. Das Buch ist ungeeignet fĂŒr Feministinnen, denn sie wĂŒrden es vielleicht irgendwann mit vor Wut rotem Kopf an die Wand werfen. Der Baron lebt und denkt all das, was man von einem preußischen General dieser Zeit (Jahrhundertwende) erwarten darf. Konservativ ist noch die netteste Eigenschaft, die man ihm bescheinigen kann. Denn auch an Selbstherrlichkeit und Selbstgerechtigkeit ist der Baron nicht zu ĂŒberbieten. Sein (Ehe-)Frauenbild beispielsweise schreit zum Himmel.

Das wĂ€re traurig, wĂŒrde es Elizabeth von Arnim nicht ausnehmend gut verstehen, den Leser zu amĂŒsieren. Ottos Schrullen sind köstlich (er fĂ€hrt noch einmal vom Bahnhof zurĂŒck nach Hause, weil er seinen Panama-Hut vergessen hat – ohne den Hut ist der Anzug nichts), selbstgefĂ€llig fĂŒhlt er sich stets im Recht und zweifelt nie an sich und seinen Ansichten: Höchst abwertend Ă€ußert er sich auch ĂŒber Journalisten, Sozialisten, Arbeiter und EnglĂ€nder. Bloß gut, dass Elizabeth von Arnim ihn am Ende auf sanfte Art bestrafen lĂ€sst.

»Die Reisegesellschaft« ist ein toller Roman. Der Leser wird zugegeben zu oft zu heftig mit der Nase auf die Botschaft gestoßen, doch durch von Arnims hervorragendes GespĂŒr fĂŒr kleine Bösartigkeiten, die dem Ich-ErzĂ€hler widerfahren und ihn in Rage bringen, amĂŒsiert man sich und spĂŒrt heilvolle Schadenfreude.

Jacqueline Sterzik

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