Ethan Hawke: Hin und weg


Hin_und_weg_kleinNormalerweise schreiben Schauspieler BĂŒcher fĂŒr ihr Ego. Denn meist interessiert außer ihnen niemand, was und wie sie etwas zu sagen haben. Außerdem: man kann doch nicht zwei Talente gleichzeitig besitzen! Doch, kann man. Ethan Hawke kann es.

»Hin und weg« ist zunÀchst eine traurig-schöne Liebesgeschichte. Die Seiten stecken voller ZÀrtlichkeit, Feinsinn, Leidenschaft, doch auch Eifersucht, Trauer und UnverstÀndnis. Doch »Hin und weg« bleibt nicht als geschriebenes Wort im GedÀchtnis. Sondern als Film, der vorm geistigen Auge ablÀuft. Der Leser sieht Sarah, beobachtet William, der irgendwie selbstverstÀndlich von Hawke selbst gespielt wird.

Im ersten Drittel des Buches ist der Leser fasziniert von Williams Liebe zu Sarah. Und denkt: Genau, das ist es! Davon trĂ€umen wir alle. Eine zauberhafte Lovestory. Doch meist sind es ja eben gerade nicht die Geschichten vom GlĂŒck, die wir erzĂ€hlen. Hawke bleibt dieser ErzĂ€hltradition treu und macht »Hin und weg« zu einem Liebesdrama. Der Leser versteht Sarahs Verhalten nicht. Er hofft, dass sie sich besinnt, William in die Arme fĂ€llt und sie glĂŒcklich werden. Vergeblich. Hawke hat etwas anderes vor.

Und entwirft authentisch das Bild eines Schauspielers: der stĂ€ndig in andere Rollen schlĂŒpft, zu melodramatisch, zu emotional ist, um glaubhaft zu erscheinen. Der selbst am meisten in dieser Schizophrenie gefangen ist, die ihn behindert, ein wirklich liebenswerter Mensch zu sein. Und deshalb verkraftet man, dass Sarah ihn verstĂ¶ĂŸt. Und die Hoffnung des Lesers auf ein Happy End erschlĂ€gt.

Unangetastet von der traurigen Handlung ist das grandiose ErzĂ€hltalent des Autors. Es wirkt, als male er die BlĂ€tter grĂŒner und erfinde die Liebe neu. Seine Worte sind schön. Sie sind originell, berĂŒhren die Sinne kitschfrei:

„Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich an jenem Sonntagmorgen aufgewacht bin – vielleicht hatte ich gar nicht geschlafen. Ich saß nur im Bett und sah Sarah beim Schlafen zu. Sie hatte nackt in meinem Bett geschlafen, mir aber nicht erlaubt, sie anzufassen. Das war mir egal. Ich liebte es, ihr beim Schlafen zuzusehen. Das Licht fiel durchs Fenster auf mein altes Bett, ĂŒber die blauen Laken und auf ihr Gesicht. Ich hob das Laken an und beobachtete, wie sich ihre BrĂŒste mit ihrem Atem bewegten. Auch sie schienen zu schlafen. Ich hoffte, dass sie nicht aufwachte. Ich deckte sie wieder zu und zog das Laken bis an ihr Kinn. Ich blickte auf und sah mich in meinem Zimmer um. So muss Beten sein, dachte ich.“ (S. 39)

Jacqueline Sterzik

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