Henner Kotte: Abriss Leipzig


Kotte_kleinEine Mordkommision, die zwei Fälle klärt, doch andere ungelöst lassen muss,in einer spröden, konzentrierten Sprache erzählt; und die schönste Stadt als Hintergund – das sind die Zutaten zu Henner Kottes Erstlingskrimi.

Der Beginn fließt noch etwas zähflüssig dahin. Doch dann schlägt der Roman glücklicherweise um und fesselt bis zum Schluss. Denn plötzlich wirken die Taten nicht mehr unpersönlich, sondern bekommen ihre menschliche Note. Der Leser lernt Opfer und Ermittler kennen, ihre Leben, Probleme, Macken, ihre Familien.

Alles scheint am Ende auf einen unaufklärbaren Fall hinauszulaufen, als ein Zufall dann doch noch die Lösung bringt. Die vielleicht mehr erhofft als erbracht ist, doch Kotte gelingt es geschickt, Lust zu machen auf einen zweiten Teil. Denn obwohl man denkt, der Fall bzw. die Fälle seien gelöst, sind sie doch nur eine zufällige Auswahl aus einer Reihe von Fällen, deren Stickmuster sich im letzten Absatz fortsetzt. Clever, Kotte.

Auch die gute Recherchearbeit des Autors fällt auf. Man lernt viel über Leipzig, natürlich, doch auch über das Stricher-Milieu dieser Stadt und – noch interessanter – über die Arbeit einer Mordkommission. Authentisch.

Kottes Stil verwirrt übrigens zu Beginn. Ellipsen, abgehackte Sätze, Satzfetzen sind seine Spezialität. Und fast ist man verstört von so viel Wortklauberei. Doch dann gewöhnt man sich dran – oder der Autor erzählt seine Geschichte episch vollmundiger –, und dann kann man kaum stoppen und verschlingt das Buch.

Jacqueline Sterzik

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