Kathrin Groß-Striffler: Das Gut


Das_Gut_kleinSelten zuvor habe ich ein Buch gelesen, dessen Stil mich derart gefesselt hat. Kathrin Gro√ü-Striffler ist eine einzigartige Erz√§hlerin. ¬ĽDas Gut¬ę ist kein W√§lzer, sondern eine kurze fiktive Abhandlung.

Es geht um die Familie des Guthofes Eltmann, um vier Generationen und ihren steten Versuch, das Gut zu erhalten und den Ver√§nderungen der Zeit anzupassen. Aber es geht nicht weniger um das pers√∂nliche Scheitern und seine Ursachen. Es geht um Gro√üeltern, die mit der Wahl ihrer Tochter Hanna nicht einverstanden sind, die sich f√ľr Torsten entscheidet, einen Schuhverk√§ufer, der sich zwar M√ľhe gibt, doch vom Leben auf einem Hof weder Ahnung noch Geschick hat. Um die Enkel Malte und Johannes, wobei der eine entt√§uscht. Und auch um Jan, Johannes‚Äô Sohn, der eines Tages den Hof besuchen wird und dessen Mythos vom Gut schlie√ülich relativiert wird.

Die Lekt√ľre ¬ĽDas Gut¬ę h√§tte gern l√§nger dauern k√∂nnen. Kathrin Gro√ü-Striffer h√§tte gern mehr erz√§hlen k√∂nnen. Mit ihrer bildhaften Sprache, bei der jeder einzelne verbalisierte Gedanke zutiefst reif, durchdacht erscheint. In diese Sprache muss man sich verlieben. Sie ist in jeder Hinsicht angemessen, treffsicher, steckt voller ad√§quater Metaphorik wie: ¬ĽIrgendwann f√ľhrte jeder Schmerz zu einer Art Taubheit, die sich auf K√∂rper und Geist legte, und so lief der Nieselregen, der inzwischen eingesetzt hatte, bald an seinem Gesicht herab wie Wasser an Glas.¬ę (S.38). Ein fast perfektes Buch. Einziges Manko bleibt die K√ľrze, die verhindert, dass vor allem psychologische Momente noch intensiver behandelt werden k√∂nnen.

Jacqueline Sterzik

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